So sehen wir das… – Kunstausstellung in Budapest

Sechs ungarische Künstlerinnen präsentieren seit Mitte Juli 2019 im Ybl Kreativhaus von Buda (Ybl Budai Kreatív Ház) ihre Arbeiten, sie behandeln aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema Selbst-Objektifizierung. Anna Fabricius, Ilona Lovas, Zsuzsa Moizer, Judit Rabóczky, Klára Petra Szabó und Kata Tranker präsentieren die Welt und ihre vielseitigen kulturellen Schichten aus der weiblichen Perspektive. Sie versuchen dabei, ihre eigene Identität und ihre subjektiven Selbsterfahrungen nach außen zu tragen und künstlerisch zu interpretieren.

In der Kunstform der sogenannten Selbst-Objektifizierung stehen die Identität des Künstlers im Mittelpunkt, der Körper, das Ich, die individuelle Meinung werden öffentlich gemacht und objektiv, sachlich betrachtet – erklären die Kuratoren Brigitta Iványi-Bitter und Brigitta Muladi.

Sie erinnern daran, dass die Objektifizierung, also das Behandeln von Menschen oder Tieren als Objekt, wodurch die Würde als Mensch oder Tier beeinträchtigt, beschädigt oder zerstört werden kann, auch einen viel sachlicheren, philosophischen Gegenpol hat. Bei dieser Form von Objektifizierung gibt es keine Unterordnung oder Machtansprüche, sondern lediglich eine Selbstreflexion. Bei der Ausstellung werden die gesellschaftlichen Geschlechterrollen behandelt und diverse Stereotypen kritisch unter die Lupe genommen. Die Kunstrichtung der Selbst-Objektifizierung begann in den 1980-iger Jahren, eine bekannte Repräsentantin ist die New Yorker Fotografin Cindy Sherman.

Die spannende Ausstellung in Budapest und ihre ergänzenden Programme sind bis 7. August 2019 im „Ybl Kreativhaus von Buda“ zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Das einzigartig schöne Gebäude des Ybl Kreativhauses wurde noch bis vor ein paar Jahren als eines der gefährdetsten Baudenkmäler der Welt gelistet. Das ehemalige Wasserpumphaus versorgte die Budaer Burg bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts mit Wasser. Das Gebäude ist ein Werk des berühmten Architekten Miklós Ybl und zählt zur Reihe ikonischer Gebäude entlang des Budapester Donauufers. Nach mehreren Anlaufversuchen, das Gebäude wiederherzustellen und sinnvoll zu nutzen, wurde das ehemalige Pumpenhaus 2018 renoviert und zu einem kreativen Zentrum für Kunst und Kultur umgestaltet.